Achtsamkeitstag in der Tradition des Zenmeisters Thich Nhat Hanh

Eingangstor von Außen. Eine großes dreiteiliges Tor.
Eingang zum Meditationsraum in Wiesbaden-Biebrich

Heute jährt sich der Todestag von Ayya Khema, meiner ersten buddhistischen Lehrerin, zum 20. Mal. Ayya verließ ihren Körper am 2. November 1997, zweieinhalb Jahre nachdem ich ihr das erste Mal begegnet bin.

Ihre Bücher kannte ich schon länger. „Sei Dir selbst eine Insel“  las ich bereits Anfang der 1990er. Und verstand…….nichts. Heute ist das Buch meine „Bibel“ und ich meditiere fast täglich.

Trotzdem ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, mit einer Gruppe zu sitzen. Besonders an einem Achtsamkeitstag. So wie ihn am vergangenen Sonntag in Wiesbaden-Biebrich eine der Rhein-Main-Sanghas des vietnamesischen Zenmeisters Thich Nhat Hanh veranstaltete.

Buddhafigur aus Holz und ein Strauß roter Rosen
Buddha

Die drei Juwelen: Buddha, Dharma, Sangha

Sangha: die buddhistische Gemeinschaft

Schon der historische Buddha (Prinz Siddharta, ein Hindu mit voll entwickelter Buddha-Natur) soll gesagt haben, dass eine Sangha, also eine Gruppe Gleichgesinnter, die buddhistische Praxis erleichtert. Und im Hinblick auf die Meditation, stimmt das auf jeden Fall. Man sitzt deutlich leichter und konzentrierter in einer Gruppe.

Davon abgesehen, können in buddhistischen Gemeinschaften alle Probleme auftreten, die es überall auf der Welt gibt, wenn Menschen zusammentreffen. Obwohl alle Menschen, dieselbe Buddha-Natur, einen heilen, inneren, erleuchteten Kern besitzen.

Buddha-Natur: der spirituelle Kern des Menschen

Den spirituellen Kern, die Buddha.Natur, zu entwickeln und zu pflegen (gleichermaßen für das eigene Glück sowie zum Wohle aller und der Erde), ist dann auch die Grundlage der buddhistischen Lehre.

Dharma: die buddhistische Lehre

Der Dharma, die buddhistische Lehre ist ein ausgeklügeltes System aus vielen verschiedenen Arten von Meditation und Verhaltensempfehlungen. Dieses System soll die Menschen glücklich und Welt zu einem guten Ort machen. Jeder Einzelne ist dazu eingeladen, mitzumachen und seinen Teil dazu beizutragen.

Achtsamkeit

Als Grundlage für dieses Bestreben gilt im Buddhismus die Achtsamkeit. Achtsamkeit gleichermaßen gegenüber sich selbst sowie gegenüber allen anderen Wesen und der Erde.

Und Achtsamkeit will trainiert werden. Zum Beispiel an einem Achtsamkeitstag, so wie am vergangenen Sonntag in Wiesbaden-Biebrich.

Eine Grünfläche
Schlosspark Wiesbaden-Biebrich

Achtsamkeitstag in der Tradition von Thich Nhat Hanh

Gegen 10 Uhr morgens trudelten insgesamt 14 Menschen aus Wiesbaden und Rheinhessen im Seminarzentrum Haus am Schlosspark ein. Alle brachten etwas mit, damit der Tag reibungslos ablaufen konnte. Suppe, Salat, Baguette, Hummus, Schokolade, Gummibärchen, Beamer und Notebook wurden ausgepackt und in Küche, Esszimmer und Meditationsraum gebracht. Dann ging es auch schon los.

Stille Meditation und Dharma-Vortrag

Wir starteten mit einer kurzen, stillen Meditation. Anschließend schauten wir gemeinsam den letzten Dharma-Vortrag, den der vietnamesische Zenmeisters Thich Nhat Hanh (Thay) 2014 in Deutschland gehalten hat.

Kurz danach erlitt der heute 91jährige einen schweren Schlaganfall und kann seither nicht mehr sprechen.

Thay wandte sich zunächst an die Kinder. „I can see the cloud in my tea,“ beginnt er mit seinem Lieblingsbeispiel für Vergänglichkeit.

In Thays Augen bedeutet Vergänglichkeit Verwandlung. Eine Wolke wird zu Regen, das Regenwasser zu Tee, der Tee durchläuft den Körper, wird ausgeschieden, steigt als Dampf zum Himmel, wird wieder zur Wolke und fällt erneut zur Erde.

So sei es mit allem Leben, sagt Thay in seinem einstündigen Vortrag zu den Erwachsenen, nachdem er die Kinder zum Spielen geschickt hat. Tod sei Verwandlung. Auch wenn wir nicht genau wissen, was nach dem Tod kommt. Selbst die moderne Physik habe herausgefunden, dass nichts wirklich verschwinden kann.

Dann war der Vormittag auch schon vorbei und wir bereiteten das gemeinsame Essen.

Achtsam essen

Suppe wurde erhitzt, Brot geschnitten und ein kleines Buffet aufgebaut. Dann nahm sich jeder, was er haben wollte und setzte sich an seinen Platz. Alles geschah in vollkommenem Schweigen.

Natürlich wurde auch ein Dank für das Essen gesprochen. Er richtete sich an die Erde und die Menschen, deren Arbeit die Speisen ermöglichte.

Achtsam gehen

Nachdem die Teller vom Tisch und die Spülmaschine eingeräumt war, begaben wir uns in den Schlosspark zu einer Gehmeditation.

Der Sturm, der am morgen heftig geweht hatte war verschwunden. Nur wenige Spaziergänger waren unterwegs und wir konnten uns ungestört bewegen.

Sogar Fotos und ein Selfie haben wir gemacht, aber die kann ich Euch leider nicht zeigen. In buddhistischen Gruppen trifft man oft Künstler sowie Menschen aus lehrenden und helfenden Berufen, die ihr Privatleben schützen möchten.

Bild eines Kinoplakats
Filmplakat. Foto: Susanne Gurschler

Mehr über die Rhein-Main-Sanghas von Thich Nhat Hanh findet Ihr hier.

Und am Mittwoch, den 15. November um 18 Uhr zeigt das Caligari-Kino in Wiesbaden Walk with me, einen Film über Thay und sein Kloster Plum Village. Die Rolle von Thay spricht der britische Buddhist Benedict Cumberbatch.

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2 Gedanken zu “Achtsamkeitstag in der Tradition des Zenmeisters Thich Nhat Hanh

  1. Ein Tag der Achtsamkeit – an einem sonnigen und windigen Tag, an einem richtig schönen Ort. Es tut gut in einer Gemeinschaft zu praktizieren. Und, wie du richtig sagst: „Davon abgesehen, können in buddhistischen Gemeinschaften alle Probleme auftreten, die es überall auf der Welt gibt, wenn Menschen zusammentreffen.“ Es wäre seltsam, wenn es anders wäre. Und so tauchen auch in der Sangha die üblichen Hindernisse und Herausforderungen auf, die man im Alltag erlebt. Aber hier ist eben ein Ort und eine Zeit, in der wir versuchen achtsam damit umzugehen und tiefer zu schauen. Der Dharmavortrag war sehr gut ausgewählt, das Haus am Schlosspark eine wunderbare Insel.

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