Einblick ins Städelmuseum

Ein Bild vom Stifter.
Der Stifter Johann Friedrich Städel. Foto: Clia

Gestern feierte das Städelmuseum in Frankfurt seinen 200. Geburtstag. Und ich durfte, gemeinsam rund 120 anderen Bloggern, Twitterern und Instagrammern, dabei sein!

Das Event für die Städel´sche Online Community „firmierte“ unter #200jahrestaedelmuseum und wir hatten das gesamte Museum einen Abend lang für uns. Wir konnten nicht nur „einfach so“ alleine im Museum herum schlendern. Nein, das Städel-Online-Team hatte sechs besondere Führungen für uns vorbereitet.

Jeder, der wollte, konnte zwei „Runden“ drehen. Ich entschied mich für die Führung „Museum Digital“ und warf einen Blick „Zwischen Lösungsmittel und Röntgenstrahlen“. Für mich, als leidenschaftliche Onlinerin und Absolventin einer traditionellen Gestaltungsschule, war das die bestmögliche Auswahl. Ich interessiere mich deutlich mehr für Handwerk und Technik als für (Kunst-)Geschichte.

Museum Digital

Clis vor einer Wand aus gläsernen Kacheln.

Die Führungen starten im Metzler-Foyer. Dort sammeln sich die sechs Gruppen. Um meine Kamera zu überprüfen (wir dürfen natürlich nur ohne Blitz fotografieren) mache ich das erste Selfie meines Lebens. Dann geht´s auch schon los. Unsere Führerin Silke Janßen, im Alltag Pressesprecherin im Städel, lotst uns zu den alten Meistern.

Eine Frau vor einem Bild.

Wir erfahren: Wege zum Städel und seiner Sammlung gibt es mittlerweile viele. Man kann ganz „in echt“ ins Museum am Frankfurter Mainufer gehen oder übers Internet teilhaben.

Es gibt das Städel-Blog, einen Channel bei Youtube, eine Seite auf Facebook, eine Timeline bei Twitter und das Städel auf Instagram.

Natürlich kann man auch Online-Tickets kaufen und eine digitale Führung als App aufs Smartphone laden, um beim Museumsbesuch entspannt an der Schlange am Eingang vorbei zu spazieren. Und es gibt Imagoras, ein Tablet-Spiel für Kinder ab 8 Jahren.

Frau mit Tablet.

Ein solches Engagement ist preisverdächtig und tatsächlich wurde das Museum im vergangenen Sommer mit dem Grimme Online Award für das Digitorial „Monet und die Geburt des Expressionismus“ ausgezeichnet.

„Unser kleines Museum konnte sich gegen die großen deutschen Medienhäuser wie Burda, Springer, ZDF und ARD  durchsetzen,” erzählt Silke. Sie sieht ein bisschen so aus, als könnte sie es immer noch nicht glauben.

Die digitale Kunstkammer

Digitale Kunstsammlung vor der Skyline von Frankfurt

Besonders beeindruckend finde ich die digitale Kunstsammlung. In einer kleinen Kammer mit Blick auf die Skyline von Frankfurt kann man am Bildschirm in Fotos der Bilder und Grafiken“blättern“ und Videos aus den verschiedenen Abteilungen schauen.

Das bietet einen völlig neuen Zugang zur Sammlung des Städel. Denn die Sammlung ist so groß, dass nur ein kleiner Teil tatsächlich an den Wanden des Museums hängt. Rund 3.000 Gemälde, 600 Skulpturen, 4.000 Fotografien sowie 100.000 Zeichnungen und Grafiken bieten einen Überblick über 700 Jahre Kunstgeschichte.

Alle sollen nach und nach digital erfasst und auf diese Weise zugänglich gemacht werden. Eine Wahnsinns-Aufgabe für das Städel-Online-Team.

„Wir alle können nur ehrfurchtsvoll auf die andere Mainseite blicken,“ sagt dann auch Daniela Unger vom Jüdischen Museum schräg gegenüber. „Das digitale KnowHow des Städel ist unter den Museen in Deutschland einzigartig.“

Zwischen Lösungsmittel und Röntgenstrahlen

Die Füße des Resatuarators. In roten Schuhen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht´s weiter. Diesmal reihe ich mich bei der Führung „Zwischen Lösungsmittel und Röntgenstrahlen“ von Restaurator Stephan Knobloch ein.

Foto vom Gemälde.

„Die Online-Kollegen haben mir gesagt, ich soll sie alle auch in die technischen Untersuchungsmethoden vor der Gemälderestaurierung einweihen. Prüfberichte von UV-Licht, Infrarot und Röntgenscanner würden sie ganz sicher interessieren,“ sagt der Mann mit den roten Schuhen. Da hat er recht.

Blau-graues Bild vom Gemälde.

Wir lauschen wissbegierig seinen Ausführungen. Am Beispiel von „Papst Julius“ erklärt Stephan Knobloch die verschiedenen Untersuchungsverfahren und gibt Einblicke in die Ausbildung.

Bläuliche Bild vom Gemälde Papst Julius.

Restaurator ist ein anspruchsvoller Studiengang. „15 Punkte im Kunst-Leistungskurs reichen nicht. Das Studium erfordert auch Kenntnisse in den Naturwissenschaften. Physik und Chemie sind wichtig und werden auch in der Aufnahmeprüfung gefordert,“ erfahren wir von Stephan Knobloch.

ild in Graustufen.

Der Leiter der Städel´schen Restaurierungsabteilung beklagt nicht nur das mangelhafte naturwissenschaftliche Wissen der Studienbewerber. Er ist auch besorgt über die aktuelle Situation in der Ausbildung selbst. „Die BA-Studiengänge sind zu kurz. Da lernen die Leute einfach nicht genug.“

Gemälde-Restaurierung

Eine Bildstelle wie ein Riß.

Ein Gemälde-Restaurator arbeitet sich Schicht um Schicht mit organischen Lösungsmitteln bis zum ursprünglichen Bild durch. Manchmal arbeitet er auch mechanisch.

Die meisten Werke im Städel sind so alt, dass sie bereits mehrfach restauriert wurden. Da ist detektivischer Spürsinn und eine zarte Hand gefragt, bis das Originalbild freigelegt ist. „Ab und zu kommt es vor, dass an einzelnen Bildstellen nichts mehr vom Original übrig ist. Da lassen wir dann die älteste Schicht stehen.“

Standmikroskop.

Die Restaurierung eines Bildes dauert viele Monate. Manchmal Jahre. Die einzelnen Abteilungen arbeiten eng zusammen. „Wenn wir uns mit den Einzelheiten eines Bildes nicht sicher sind, forschen wir zusammen mit der Kunstwissenschaft.“ Auch die Restauratoren besprechen sich im Team. „Wir sammeln Ideen und entscheiden uns für die Beste.“

Wächter der Kunstsammlung

Ein Schrank mit Farbgläsern

„Es ist nicht möglich, mehr als einen halben Arbeitstag konzentriert an einem Bild zu arbeiten,“ sagt Stephan Knobloch. Trotzdem wird es natürlich nie langweilig.

Wagen mit PInseln und Lösemitteln.

Die Restauratoren müssen sich um Praktikanten, Material und Werkstatt kümmern. Und sie gehen regelmäßig durch´s Haus um die Sammlung im Auge zu behalten. Sie sind gewissermaßen die Wächter der Kunstsammlung. „Wenn wir merken, ein Bild braucht unsere Hilfe, nehmen wir es mit in die Werkstatt.“

Blick in den leeren Raum.

Museumsstiftung Städel

Auch in Sachen Unterhalt und Finanzierung ist das Städel beispielhaft.

Das Museum wurde 1815 als bürgerliche Stiftung vom Bankier und Kaufmann Johann Friedrich Städel begründet. Es gilt als älteste Museumsstiftung in Deutschland und ist bis heute ein Bürgermuseum. Das Städel lebt von Eintrittsgeldern, Spenden und Sponsoren.

Die Stadt Frankfurt steuert weniger als 20 Prozent der jährlichen Unterhaltskosten bei. Den Rest sammelt das Städel´sche Fundraising-Team und der Museumsverein.

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